Wer rechtzeitig anruft, wird mitgenommen

Anrufbusse sollen ab Mai 2013 im Kreisgebiet fahren / Am12. Juli entscheidet der Kreistag über Zuschüsse

Eine Zentrale soll die Busse zu den Haltestellen leiten, an denen Fahrgäste einsteigen wollen. Das System wird in Detmold schon eingesetzt. Von Ulrich Suffner Kreis Vechta. „Kaputt reden kann man alles“, warnt Thomas Bojes sparsame Lokalpolitiker vor voreiligen Schlüssen. Der Geschäftsführer des Lohner Busunternehmens Schomaker ist überzeugt: „Öffentlicher Personennahverkehr wird im Kreis Vechta ein Erfolg, wenn wir das jetzt richtig umsetzen."

 


 

Gemeint ist das zweijährige Modellprojekt „Mobil um Vechta“, das der Kreis mit den Städten und Gemeinden auf die Straße bringt: Ab Mai 2013 sollen kreisweit Anrufbusse fahren. Sie sollen von einer Mobilitätszentrale zu jenen Haltestellen geleitet werden, wo Fahrgäste warten. Wer sich eine Stunde vor Fahrtbeginn meldet und sich zur Haltestelle begibt, wird mitgenommen. „Ein System, das im Kreid Detmold seit Jahren mit Erfolg funktioniert“, sagt Bojes. Über den Projektstart berät der Kreistag am 12. Juli, die CDU-Mehrheit hat sich bereits positiv entschieden. Als Vorsitzender der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Vechta war Bojes an den Vorarbeiten der Kreisverwaltung beteiligt. Schon 2009 erstellten die Firma Telenet A Gund die Technische Universität Darmstadt eine Machbarkeitsstudie. Nun kommt es zum Schwur: Der Kreis muss das Projekt pro Jahr mit maximal 340 000 Eurobezuschussen. Eine ähnliche Summe fließt aus Landeszuschüssen in das Projekt. Die Busunternehmen übernehmen in der zweijährigen Probephase Kosten von 182 000 Euro pro Jahr. Beteiligt sind Fried (Goldenstedt),Wilmering (Vechta),Kohorst (Dinklage), Schomaker (Lohne), Hedemann (Neuenkirchen) und Weser-Ems-Bus. Städte und Gemeinden sollen einen jährlichen Zuschuss von insgesamt 257 000 Euro leisten – anteilig nach Fläche und Bevölkerungszahl. Die Fahrtgelder fließen an die Busfirmen und bei ausreichend Fahrgästen auch an die Kommunen zurück. „Sobald der Kreistag grünes Licht gegeben hat, werden sich die Städte und Gemeinden mit dem Projekt eingehend befassen“, verspricht Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer. Im Herbst werden die einzelnen Räte entscheiden. „Je mehr Bürgermitfahren, desto niedriger wird das Defizit für die einzelne Kommune“, rechnet der stellvertretende Kreisvorsitzende des Städte und Gemeindebundes vor. Fahrtrouten und – Zeiten müssten deshalb „an den Bedürfnissender Bevölkerung orientiert sein“.Die Details der Fahrpläne werden noch mit den Bürgermeistern abstimmen. Die hatten die Einführung eines Nahverkehrs 2008 angeregt. Vor allem ältere Menschen seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Zudem soll das Nahverkehrsnetz den Kreis für Fachkräfte attraktiver machen. „Gerade wenn beide Elternteile arbeiten, ist der Bus eine Alternative zum zweiten Auto“, sagtMeyer. Laut Bojes werden die Anrufbusse zwischen 7 Uhr und 19 Uhr fahren. In Lohne werde es zum Beispiel 45 bis 50 Haltestellen geben. „Große Unternehmen werden zu den Schichtwechseln eingebunden und es wird Jobtickets und andere günstige Tarife geben“, verspricht Bojes. Zum Einsatz kommen behindertengerechte Kleinbusse mit acht Sitzen, Kinderwagenplatz und einheitlichem Design. Von der Mobilitätszentrale erhält der Busfahrer auf sein Smartphone die Information, wo er Fahrgäste aufnehmen und aussteigen lassen muss. Fahrpläne soll es im Internet, aber auch in den Rathäusern geben. Eine ortsinterne Fahrt kostet 1,70 Euro, eine Fahrt von Brockdorf nach Lohne 2,25 Euro, von Dinklage nach Lohne 2,45 Euro. Der Kreis sei in vielen Bereichen Spitze, es herrsche Vollbeschäftigung, weiß Bojes. „Nur beim ÖPNV sind wir ein weißer Fleck. Das können wir uns in heutiger Zeit nicht mehr leisten.“ Für den Schomaker-Geschäftsführer ist die Nordwestbahn ein gutes Beispiel, dass man mit einem vernünftigen Angebot im Stundentakt hohe Fahrgastzahlen erreichen kann. Bojes: „Wir müssen es nur professionell angehen.“